Jugendtreff im Tiergartenviertel
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Auf diesen Seiten finden Sie aktuelle Nachrichten aus dem Hünfelder Tiergartenviertel zur Arbeit des Bürgerbeirates und des Stadtteil- und Quartiers-managements.

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Themen
Pressebericht 02.07.2005

Viele Menschen erreicht
LOS-Projekte im Tiergartenviertel mit hoher Akzeptanz



Hünfeld: In kurzer Zeit ist es im Hünfelder Tiergartenviertel gelungen, mit den so genannten LOS-Projekten viele Menschen zu erreichen. Davon konnten sich Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel und Erster Kreisbeigeordneter Bernd Woide bei einem Informationsstand des Stadtteilmanagements am Samstag in der Hünfelder Mittelstraße überzeugen. Mit diesem Informationsstand wurden die Ergebnisse der ersten Projekte vorgestellt. LOS heißt "Lokales Kapital für soziale Zwecke" und hat zum Ziel, begleitend zum Stadtsanierungsprojekt "Soziale Stadt" Menschen zu unterstützen. Beispielsweise wurden Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Fulda so weit qualifiziert, dass sie eine Lehrstelle antreten können. Ein anderes Projekt wandte sich an russlanddeutsche Frauen, die auf Arbeitssuche sind, und vermittelte ihnen Kenntnisse über erfolgreiche Bewerbungen. Persönliche Beratungen für Spätaussiedler bei Behördengängen bot im Rahmen eines weiteren Projektes Hans Zapf an. Eine sozialpädagogische Betreuung war das Ziel bei einem Mikroprojekt für verhaltensauffällige Schüler in Zusammenarbeit mit der Jahnschule. Insgesamt, so die Koordinatoren des Projektes, Ulrike Schütz vom Stadtteil- und Quartiermanagement beim DRK-Kreisverband Hünfeld und Stefan Will vom Landkreis Fulda, wurden in kurzer Zeit viele Menschen erreicht. Da die Förderung fortgesetzt werden soll, sind die beiden auch für neue Projektvorschläge offen.

Zum Fotoalbum der LOS-Präsentation am Rathausplatz

Leuchtturm – Wegweiser zwischen den Kulturen

Mit Musik geht alles besser: Tanzen und Gesang als Tür zur Gesellschaft

"Leuchtturm - Wegweiser zwischen den Kulturen" hat die AG Freundschaft ihr Mikroprojekt genannt. Die Bürgerinitiative, die sich seit 2002 für die Integration der Russlanddeutschen in Hünfeld einsetzt, hatte für LOS drei Extra-Angebote organisiert: Einen Standard-Tanzkurs, einen Hip-Hop-Kurs für Mädchen und einen Singkreis für Frauen.

Wiener Walzer im Discoraum
Tanzlehrer Rolf Pfaff leitete den Kurs mit Standardtänzen im Discoraum des Jugendtreffs. Das Alter seiner Schüler lag zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Mit Abstand jüngste waren die 14jährige Anja und die 16jährige Nadja. Die beiden waren zudem die einzigen Nicht-Russlanddeutschen. Die anderen kannten sich untereinander. "Daher ging es von Anfang an locker zu", erzählt Rolf Pfaff.
Während bei ihm Discofox, Foxtrott, Chachacha und Wiener Walzer geübt wurden, schallten bei Sofia Alexij und Christin Ebert moderne Klänge aus den Boxen. Die beiden 16- und 17jährigen Hobby-Tänzerinnen haben mit knapp 20 Mädchen einen Hip-Hop-Tanz einstudiert. Ein Auftritt ist für das Sommerfest im Jugendtreff geplant. "Manche trafen sich sogar zwischendurch zum Üben", hat Sandra Adler, die im Jugendtreff für Mädchenarbeit zuständig ist, beobachtet.
"Der Kurs setzte sich aus genauso vielen russlanddeutschen wie einheimischen Jugendlichen zusammen. Durch das gemeinsame Interesse haben sie sich kennengelernt und verstehen sich auch im offenen Treff besser."
Die Vorsitzende der AG Freundschaft und zugleich Sprecherin der Aussiedler in Hünfeld, Anna Neubauer, erklärt, dass Tanzkurse und
Der erste Auftritt: Die Frauen des Singkreises bei der LOS-Auftaktveranstaltung der AG Freundschaft im März 2005.

Singkreis dem Kennenlernen von Einheimischen und Neubürgern dienen, die Sprachkompetenz der Russlanddeutschen stärken und ihnen einen Zugang zur Gesellschaft öffnen sollten.

Deutsch-russische Volkslieder
Im sechsköpfigen Singkreis, der von der Gesanglehrerin Elena Töws geleitet wurde, war Anna Neubauer selbst aktiv. Etwa alle zwei Wochen trafen sich die Frauen, die in Kasachstan bereits Mitglieder verschiedener Chöre gewesen waren, zur Probe. Das Repertoire umfasst deutsch-russische Volkslieder. "Wir singen auf deutsch und zwischendurch immer wieder eine Strophe auf russisch", berichtet die Erzieherin. Man könnte meinen, die Frauen trauerten der russischen Heimat nach, wenn sie singen: "Hier bin ich geboren, hier fand ich mein Glück. Mein Herz ist verloren, ich komm nicht zurück. Heimat, Heimat..." Tatsächlich handelt es sich um Lieder, die sie von ihren Müttern kennen und die aus der Zeit stammen, als die Wolgadeutschen im Zweiten Weltkrieg nach Kasachstan zwangsausgesiedelt worden waren.

Durch den Kurs für Standardtänze wurden auch mittlere Altersgruppen in den Jugendintegrationstreff gelockt. Mit Feuereifer bei der Sache: Etwa 20 Mädchen übten zusammen einen Hip-Hop-Tanz ein.

Projektname: Leuchtturm - Wegweiser zwischen den Kulturen

Träger: AG Freundschaft

Ziele: Förderung der sprachlichen Kompetenz der Aussiedler, Abbau von Vorurteilen auf Seiten der Einheimischen und der Neubürger, Verbesserung der Kommunikationsstrukturen zwischen Frauen, Förderung des Selbstbewusstseins der Aussiedler, erleichterter Zugang zur Gesellschaft und zum Berufsleben;
die AG sieht sich als Bindeglied zwischen allen Mikroprojektträgern und den Bewohnern des Quartiers


Fördersumme: 5740 Euro

Zum Fotoalbum des Abschlussfestes des Tanzprojektes

Aussiedlerberatung

Unterstützung für Aussiedler bei Behördengängen und Arbeitsuche

Hans Georg Zapf ist Gründungsmitglied der AG Freundschaft, einer Initiative Hünfelder Bürger, die sich seit 2002 um die Integration von Spätaussiedlern bemüht. Schnell wurde der pensionierte Beamte zum Ansprechpartner für Russlanddeutsche, die Hilfe im Umgang mit Behörden benötigten. Als er von dem Projekt "Lokales Kapital für soziale Zwecke" (LOS) erfuhr, meldete er sich. Er rief im Dezember vergangenen Jahres eine "Individuelle Beratung zur Integration von Spätaussiedlern" ins Leben.
Dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 17 bis 19 Uhr hielt der Burghauner im Hünfelder DRK-Gebäude Sprechstunde. Dann füllte er Hartz-IV-Anträge aus, telefonierte mit Behörden, überlegte gemeinsam mit Arbeitsuchenden, wo diese sich bewerben könnten und half beim Schreiben von Bewerbungen.

Vor allem Frauen nahmen Angebot wahr
Manches entwickelte sich anders, als er es sich vorgestellt hatte. "Ursprünglich dachten wir, das Angebot werde vor allem von Männern wahrgenommen, was eigentlich schade gewesen wäre." Denn das Konzept von LOS legt unter anderem Wert auf frauenfördernde Maßnahmen zur Herstellung der Chancengleichheit. "Doch tatsächlich kamen mehr Frauen als Männer zu mir", berichtet Hans Georg Zapf.


Einer Frau hat er eine Schneiderinnen-Ausbildung in Frankfurt vermittelt, einer anderen eine Praktikantenstelle als Erzieherin. Mit anderen Damen hat er beispielsweise Bewerbungen für das Fleischerhandwerk, in der Altenpflege oder

als Büro- und Einzelhandelskauffrau verfasst. Eine Frau unterstützte er dabei, beim Arbeitsgericht ihren ausstehenden Lohn einzuklagen.
Einer 16jährigen, die in Deutschland zur Schule gehen möchte, aber wegen in Kasachstan abgeschlossener Schulausbildung keine Zulassung zur Hauptschule bekommen hat, riet Hans Georg Zapf zu einem berufsvorbereitenden Jahr auf der Konrad-Zuse-Schule.
"Die abwechslungsreiche Arbeit machte mir Spaß", betont der Projektleiter, "und die positiven Eindrücke überwiegen." Am interessantesten seien für ihn die Gespräche mit den verschiedenen Arbeitgebern und deren Erwartungen an die Jobsuchenden gewesen. Doch sei der Arbeitsaufwand wesentlich höher gewesen als anfangs kalkuliert. "Das lag vor allem an den Außendienst-Terminen", erläutert der Pro-jektleiter. "Wenn ich jemanden zu einem Vorstel-lungsgespräch, zu einer Betriebsbesichtigung oder zu einer Behörde begleitete, waren schnell zwei Stunden herum." Deshalb hatte er zwischendurch beim LOS-Begleitausschuss eine erweiterte Stun-denzahl für seine Beratung beantragt und geneh-migt bekommen.

Fortsetzung ist geplant
Wenn das LOS-Projekt im Tiergartenviertel fortgeführt wird, wird sich Hans Georg Zapf um eine Fort-setzung seines Beratungsangebotes bemühen. "Aber ich möchte dann gern jemanden als Dolmetscher und für die Schreibarbeiten dazu nehmen", plant er.

Projektname: Individuelle Beratung zur Integration von Spätaussiedlern und Bürgern sowie für Arbeitsplatzsuchende

Träger: Hans Georg Zapf

Ziele: Aussiedlern bei Integrationsproblemen eine persönliche Ansprechmöglichkeit vor Ort zu bieten, um ihnen einen Weg in die Arbeitswelt und damit in die Gesellschaft zu ermöglichen

Fördersumme: 5860 Euro
EDV-Kurs für Mädchen

"Wie geht dieses @?"
EDV-Kurse für Mädchen

"Herr Urbaniak, kann ich mich hier anmelden?", fragte ein Knirps von etwa acht Jahren, während er in der Tür des Medienraums im Hünfelder Jugendtreff stand. "Bist du ein Mädchen?", fragte Oskar Urbaniak zurück. "Warum ist das nur für Mädchen?" "Weil ihr Jungs sowieso gern an Computer geht. Aber die Mädchen wollen sich auch mal ohne eure Einmischung mit den Computern beschäftigen", erklärte der Kursleiter des LOS-Mikroprojektes "EDV-Kurse für bildungsbenachteiligte jugendliche Mädchen zur Förderung der Medienkompetenz".
Zwei Gruppen mit je vier bis fünf Mädchen der ältesten Stufen aus der Christian-Andersen-Schule für Lernhilfe betreute Oskar Urbaniak seit Ende der Osterferien. Der arbeitslose Informatiker war zunächst beim Fuldaer Bildungsverein Kreidekreis auf 400-Euro-Basis als Nachmittagsbetreuer für die jüngeren Christian-Andersen-Schüler eingestellt gewesen. Als sich der Verein für das Projekt bewarb, hatte er mit dem Informatiker aus Hünfeld einen sachverständigen Kursleiter zur Hand. Einen weiteren Kurs, für den sich alle interessierten Mädchen aus dem Tiergartenviertel anmelden konnten, hielt die Pädagogin Johanna Pflüger. Neun Jugendliche hatten sich dafür eingetragen, von denen sechs regelmäßig anwesend waren. "Die Mädchen waren sehr interessiert", lobt ihre Lehrerin. Über das Erlernte haben sie ein Plakat angefertigt mit selbst gestalteten Karten, einem Steckbrief und einem Stundenplan in Form einer Tabelle.

Die Teilneh-merinnen in Oskar Urbaniaks Kurs hatten am meisten Spaß mit dem Internet. Jede erhielt eine eigene Adresse. Beim Versuch, die erste E-Mail zu verschicken, tauchten zig Fragen auf: "Wo soll ich reinschreiben?" und "Wie geht dieses komische @?" wollten Aisha, Melanie und Luisa wissen. Aisha hat zu Hause keinen Computer, während die 14jährige Luisa ab und zu am Computer ihres Bruders spielt. In Melanies Haushalt stehen sogar drei PCs, "aber ich mache nichts damit", sagt die 13jährige.

So also sieht ein Computer von innen aus. Johanna Pflüger (links) hat mit ihrer Gruppe einen PC auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.

Oskar Urbaniak erläutert, wie im Paint-Programm spielerisch das Erstellen von Dateien geübt wurde, indem die Mädchen Mandalas ausmalten. Aus dem Internet wurden Musik und ein Cartoon heruntergeladen. "Sogar bei der trockenen Textverarbeitung passten sie gut auf", äußert sich der 39jährige Vater eines Sohnes mit seinen Schülerinnen zufrieden.
Nach einem Test, der zwei Drittel der offiziellen Prüfung umfasste, hielten am Ende insgesamt 15 Mädchen ihr Teilzertifikat in der Hand und dazu ein peppig aufgemachtes, altersgerechtes Handbuch, damit das Gelernte nachgeschlagen werden kann.

Den Kursen liegt ein 74 Stunden umfassendes Programm für bildungsbenachteiligte Jugendliche zu Grunde. Als bildungs-benachteiligt können Jugendliche wegen ihrer sozialen Herkunft, ihrer Sprachkenntnisse, ihrer Schullaufbahn oder wegen fehlenden PC-Zugangs gelten. Entwickelt wurde das Programm im Rahmen der Jugendberufshilfe von der Arbeitsgemeinschaft Medienkompetenz des regionalen Netzwerks Fulda. Eigentlich schließt es mit dem Erwerb eines von Ausbildungsplatzanbietern anerkannten Zertifikats ab, allerdings hat die LOS-Regiestelle in Berlin für das Mikroprojekt nur 50 Stunden genehmigt. Verschiedene Fachstellen für Jugendberufshilfe in Stadt und Landkreis Fulda (zu denen neben Kreidekreis beispielsweise AWO, Grümel, Diakonie oder BBZ gehören) bieten jedoch die Möglichkeit, das fehlende Wissen und die Prüfung nachzuholen.

Projektname: EDV-Kurse für bildungsbenachteiligte jugendliche Mädchen zur Förderung der Medienkompetenz

Träger: Bildungsverein Kreidekreis

Ziele: Bessere Chancen der Teilnehmerinnen bei der Ausbildungsplatzsuche

Fördersumme: 6205 Euro
In fünf Schritten zum Erfolg oder Gekonnt auf Arbeitsuche gehen

Perspektive für Frauen ohne Arbeit

"Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der kleine Steine forttrug." Diese Weisheit steht auf den Postkarten, die Birgit Beutel bei der Abschlussveranstaltung des Kurses "Gekonnt auf Arbeitsuche gehen" jeder Teilnehmerin überreichte.
Für gewöhnlich hat die Kommunikationstrainerin Manager und andere Führungspersönlichkeiten vor sich sitzen. Mit ihnen arbeitet sie nach vorgegebenen Konzepten, während sie diesen Kurs nach den Bedürfnissen der zwölf Teilnehmerinnen ausgerichtet hatte. Bis auf die Italienerin Christina handelte es sich um russlanddeutsche Frauen und alle waren auf Arbeitsuche. In erster Linie erhofften sie sich durch das Projekt mehr Selbstsicherheit und den Erwerb von Computerkenntnissen.
Einige mit Berufsausbildung wollten gern die gelernte Arbeit ausüben. Für diese hatte Birgit Beutel sich kundig gemacht, welche Ausbildungen in Deutschland anerkannt sind. Andere mussten sich umorientieren. Die Kursleiterin half ihnen zu reflektieren, welche Begabungen und Interessen bestehen. In Einzelcoachings wurden Bewerbungen geschrieben und Vorstellungsgespräche geübt. "Mit dem Erreichten bin ich total zufrieden", resümiert Birgit Beutel. "Für 50 Prozent der Frauen hat sich greifbar etwas geändert."
Eine hat eine Prakti-kumsstelle, eine andere eine Zusage für einen Prakti-kumsplatz und eine dritte weiß nach einer Probear-beit, dass sie wegen einer Allergie eine Alternative zum Wunschberuf suchen muss. "Dank des Kurses habe ich wieder eine Perspektive", lautete das Fazit einer Teilnehmerin.
Kommunikationstrainerin Birgit Beutel (rechts) im Einzelcoaching mit einer Kursteilnehmerin.

Neben dem individuellen Coaching trafen sich die Zwölf in unregelmäßigen Abständen zu gemeinsamen Workshops. Hier erlernten sie die Grundla-gen der professionellen Kommunikation. "Wie trete ich auf, wie wirke ich auf andere, was sollte ich vermeiden?" hießen die Kernfragen. Auf einem Plakat war ein Eisberg dargestellt: Der kleine, aus dem Wasser ragende Teil symbolisierte die Sachebene, der darunter liegende, weit bedeutendere die Beziehungsebene zwischen Menschen. "Sie werden einen Job nicht kriegen, wenn sie dem Chef oder den Kollegen unsympathisch sind, egal wie fähig Sie sind", verdeutlichte Birgit Beutel. "Aber ich kann mich doch nicht verstellen?", fragte eine Dame. "Das sollen Sie auch auf keinen Fall. Seien Sie freundlich, aber schleimen Sie nicht. Und geben Sie sich einfach so, wie Sie sind."
Zu den Workshops gehörte auch, dass die Frauen ihre Hausaufgaben präsentierten. "Dabei waren die Fortschritte am deutlichsten sichtbar", sagt die Projektleiterin. "Anfangs war es für die meisten undenkbar, ausführlich vor der Gruppe zu reden. Am Ende war es Routine."
Während der Abschlussveranstaltung sollte jede auf die Rückseite der Postkarte ihr persönliches Ziel schreiben. "Ende Oktober möchte ich eine Arbeit haben", "Innerhalb der nächsten drei Monate werde ich mir eine Praktikumsstelle suchen", "Ich werde ein Jahr lang ehrenamtlich arbeiten, um Sprachkenntnisse und Kontakte zu verbessern" waren einige der "Steine", welche die Frauen sich vornahmen, vom "Berg" Arbeitslosigkeit abzutragen.

Projektname: In fünf Schritten zum Erfolg oder Gekonnt auf Arbeitsuche gehen

Träger: Birgit Beutel

Ziele: Bessere Chancen für russlanddeutsche Frauen auf eine Arbeitsstelle und dadurch gesellschaftliche Integration

Fördersumme: 6042 Euro
Gruppentraining Soziale Kompetenz

Gemeinsam die Freizeit gestalten zum Erlernen sozialer Fähigkeiten

Dass sich ein Bushäuschen zum Treffpunkt von Jugendlichen entwickelt, ist nichts Ungewöhnliches. Doch für die Teenager, die im vergangenen Vierteljahr jeden Montag- und Donnerstagnachmittag an einer Bushaltestelle im Tiergartenviertel zusammenkamen, war dieser Ort offizieller Treffpunkt: Die Teilnehmer des LOS-Mikroprojektes "Gruppentraining soziale Kompetenzen" waren hier mit ihren beiden Betreuern Yvonne Schön und Martin Ludwig, beide Sozialpädagogen beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Fulda, verabredet. Die Schüler der Jahnschule waren von der Schulleitung ausgewählt worden, nachdem sie durch Regelverstöße oder anderweitig durch ihr Verhalten aufgefallen waren.
"Am Anfang waren die Jungs sehr distanziert", erinnert sich Yvonne Schön. "Mit der Zeit begriffen die meisten, dass es sich um keine Strafe, sondern um etwas Besonderes handelt."
Billard spielen, Eis essen, Tretboot und Kart fahren, kegeln, ein Besuch im Berufsinformationszentrum sowie ein Ausflug in den Europapark nach Rust standen auf dem Programm. "Wir wollten auch zusammen Hausaufgaben machen, aber da war ich der einzige, der da war", erzählt Pascal. Zum nächsten Hausaufgaben-Termin kamen zwei Jungen.
Die Freizeitaktivitäten dienten vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen. In der Gruppe sollten die Teilnehmer einen altersgemäßen sozialen Entwicklungsstand erreichen und angemessenes Konfliktverhalten lernen.

"Was wollen wir heute machen?", fragt Betreuer Martin Ludwig (Zweiter von rechts).
Mit dem Kleinbus unternahm Yvonne Schön (vorne rechts) Ausflüge mit den Jugendlichen. Während der letzten vier Wochen unterstützte sie ihr Kollege Daniel Hussong (Mitte).

Informationen über Berufe
Das eigentliche Ziel bestand darin, eine Leistungsmotivation aufzubauen, Schulabbruch und Schulverweis zu verhindern, die Jugendlichen über Berufe zu informieren und - beispielsweise durch Betriebsbesichtigungen bei einem Fuldaer Reifenhersteller und einer Kerzenfabrik - auf die Arbeitswelt neugierig zu machen. Die Teilnahme an dem Kurs konnte und sollte nicht erzwungen werden. So kam es, dass meist fünf bis sechs von ursprünglich 13 Jugendlichen anwesend waren. Von den drei Mädchen blieb keines dabei. "Eines ist nie aufgetaucht, das andere war in der Entwicklung weiter als die Jungen und fühlte sich fehl am Platze und das dritte wollte dann auch nicht mehr", bedauert Martin Ludwig, der wegen einer anderen Stelle während der letzten vier Projektwochen die Aufgabe an seinen Kollegen im Anerkennungsjahr, Daniel Hussong, abgab. "Am Fuldaer Aschenberg haben wir ein ähnliches Projekt laufen,", erläutert Yvonne Schön, "allerdings mit älteren Jugendlichen. Wirkungsvoller ist die Arbeit in Hünfeld mit den 13- bis 15jährigen, denn auf die hat man mehr Einfluss."

Mehr Zeit nötig
Sie hofft, dass das Projekt fortgesetzt wird. "Ich komme dann wieder", wirft ein Junge ein. Ein zweiter fügt hinzu: "Auf mich kannst du auch zählen." Die Sozialpädagogin erklärt: "Die Gruppe hat sich mittlerweile ganz gut zusammengerauft. Aber um etwas zu bewirken, brauchen wir mehr Zeit."

Projektname: Gruppentraining soziale Kompetenzen

Träger: Diakonisches Werk im Kirchenkreis Fulda

Ziele: Erlernen von angemessenem Gruppenverhalten, Vermeidung von Schulabbruch, Leistungsbereitschaft für Schule und Ausbildung aufbauen

Fördersumme: 10.000 Euro
Lehrbauhalle
Neben Lehrbauhallenleiter Stephan Bernhard gab auch der Bausachverständige Volkmar Jäger (links) den Kursteilnehmern ab und zu nützliche Tipps.

Schnuppern in der Lehrbauhalle: Schüler durften mauern und fliesen

Stein auf Stein setzten die Jungen, strichen Zement dazwischen, spannten Schnüre und hantierten mit Wasserwaagen. "Sascha, denk mal an den Lego-Baukasten!", riet ihr "Chef" Stephan Bernhard. "Da muss jetzt ein dreiviertel Stein hin, damit ein Verbund entsteht." Eine zweite Gruppe war derweil in einem anderen Raum damit beschäftigt, Fliesen an Wände zu kleben.

Traumberuf Kfz-Mechaniker
Stephan Bernhard ist Leiter der Lehrbauhalle des Trägervereins für die Stufenausbildung der Bauwirtschaft in Fulda. Die Jugendlichen nahmen von Februar bis Ende Juni an dem LOS-Mikroprojekt "Fit 4 Job: Berufsorientierung und Qualifizierung in der Lehrbauhalle" teil, das die Kreishandwerkerschaft Fulda betreute. Die meisten der Jungen besuchen die achte oder neunte Klasse der Hünfelder Hauptschule - und fast alle nannten als Traumberuf Kfz-Mechaniker. Doch dem stehen ihre Schulnoten entgegen. Deshalb sollten sie in der Lehrbauhalle Einblick in andere Berufszweige erhalten.
"Viele kennen aus der Schule nur ihre Schwächen. Wir wollten hier Stärken aufzeigen", erklärt Stephan Bernhard. Mit 17 Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren war der Kurs gestartet, drei sprangen ab, aber die

Verbliebenen seien regelmäßig und pünktlich von 15 bis 18 Uhr anwesend gewesen.
"Was diese Sekundärtugenden anbelangt, waren wir anfangs etwas skeptisch", gibt Anja Krücken von der Kreishandwerkerschaft zu. Denn die Schüler mussten sich um die Anfahrt selbst kümmern. Die meisten kamen mit Bahn und Bus. Die Fahrtkosten wurden erstattet. "Ich finde es toll, dass die Jugend-lichen freiwillig ihre Freizeit aufwendeten", lobt sie. Den Jungen machte das Praktikum Spaß. "Trotz-dem musste man sich jedes Mal erst einmal aufraf-fen", räumt einer ein.
Auch Stephan Bernhard sieht das Projekt als Erfolg. "Ich bin mit den Jungs hundertprozentig zufrieden", betont er. Allen 14 Teilnehmern stellte er ein positi-ves Zertifikat aus. Drei der sieben Älteren haben im Verlauf des Kurses Lehrstellen als Maler oder Flie-senleger gefunden. "Die anderen vier haben sich sehr spät beworben, aber noch ist nicht aller Tage Abend", meint der Handwerksmeister.

Pluspunkt bei Bewerbungen
Den Jüngeren hat der Kurs, in dessen Verlauf sich die Teilnehmer neben dem Mauern und Fliesen auch im Holz-, Stahlbeton- und Straßenbau versuchen durften, bei der Berufsorientierung geholfen. Neues Berufsziel des 15jährigen Christian ist Fliesenleger, genau wie das vom 14jährigen Patrick. Philipp hat am Holzbau Gefallen gefunden und möchte Zimmermann werden, während Christopher an seinem Berufswunsch Elektriker festhält. "Aber das Praktikum war trotzdem nützlich", sagt der 15jährige, "und ich denke, es macht sich gut in einer Bewerbung."
Stephan Bernhard wünscht sich für die Fortsetzung des Projektes, dass dieselben Jungen wieder mitmachen. "Danach kann ich konkrete Empfehlungen an Handwerksbetriebe aussprechen."

Projektname: Fit 4 Job - Berufsorientierung in der Lehrbauhalle

Träger: Kreishandwerkerschaft Fulda

Ziele: Berufsorientierung im Bauhandwerk für Jugendli-che und deren Qualifizierung, Vermittlung von Ausbildungsstellen in Mitgliedsbetrieben der Kreishandwerkerschaft

Fördersumme: 7842 Euro
Netzwerk sozialer Akteure

Wer weiß Rat? Broschüre regionaler Einrichtungen gibt einen Überblick

Finanzielle Schwierigkeiten, Gewalterfahrungen, ungewollte Schwangerschaften, Suchtprobleme - manchmal benötigt man Hilfe von außen, um eine Krise zu meistern. Um im Tiergartenviertel mit seinem hohen Migrantenanteil die bestehenden Beratungseinrichtungen bekannt zu machen, stellen sich 25 Stellen in einer LOS-finanzierten Broschüre vor. Der "Beratungsführer für Hünfeld", dessen Erstellung Quartiersmanagerin Ulrike Schütz koordinierte, wird von zwei geschulten, deutsch und russisch sprechenden Frauen persönlich an alle Haushalte im Viertel verteilt. Weitere Exemplare liegen an zentralen Punkten wie dem Rathaus zur Mitnahme aus. Zudem gehört zum Mikroprojekt die verstärkte Zusammenarbeit der Beratungsstellen (u.a. Einrichtungen der Caritas, des DRK oder des Landkreises). Deren Vertreter treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch.

Broschüre anschauen   Broschüre anschauen  (PDF-Datei 2.946 KB)

Projektname: Netzwerk sozialer Akteure in Hünfeld

Träger: Deutsches Rotes Kreuz (DRK) KV Hünfeld

Ziele: Verstärkte Kooperation der einzelnen Beratungsstellen, Veröffentlichung eines Beratungsführers für Hünfeld, stärkere Nutzung des Beratungsangebotes

Fördersumme: 3280 Euro
WLAN im Quartier

Vorstudie: Lässt sich im Viertel ein Freifunknetz einrichten?

Alle Bewohner des Tiergartenviertels sind mit ihren Computern untereinander verbunden, können sich kostenlos Mails senden, haben eigene Websites sowie vielleicht ein lokales Internetradio und können nebenbei preisgünstig eine Internetstandleitung nutzen - diese Vision schwebte zwei Jugendlichen vor, als sie sich mit der Idee eines Freifunknetzes an Jugendtreffmitarbeiter Christian Engler wandten.
Etwa zehn solcher Netzwerke gibt es bislang in Deutschland. Im Rahmen des LOS-Projektes fertigte der Sozialpädagoge zusammen mit einigen Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren eine Studie darüber an, ob sich ein solches Vorhaben für den Hünfelder Stadtteil umsetzen ließe. Im Blickpunkt standen folgende Überlegungen: Wie hoch sind der technische Aufwand und die Kosten? Besteht ein Interesse der Bewohner? Wie groß ist das Interesse von Jugendlichen, sich für den Aufbau und die Verwaltung eines solchen Netzwerks zu qualifizieren? Wie sieht es aus mit Jugendschutz und Haftungsrecht?

Hoher technischer Aufwand
Der 35jährige fand heraus, dass das Tiergartenviertel nur mit großem Aufwand und hohen Kosten flächendeckend über Antennen zu vernetzen wäre. Auch die Nachfrage der Bewohner war gering: "Die Auswertung unserer Fragebögen hat ergeben, dass 20 Prozent Interesse an einem Freifunknetz mit kostengünstigem Internetzugang haben. Hinzu kommt allerdings, dass manche Leute, die sich sowieso nicht für die Sache interessierten, erst gar nicht die Fragen auf dem Bogen beantwortet haben." Zu einer Info-Veranstaltung im Juni war auch nur eine Frau erschienen.
Als positiv sieht Christian Engler dagegen, dass sich etwa zehn Jugendliche gern zum Netzwerk-Administrator ausbilden lassen würden. Deshalb hat der Sozialpädagoge die Idee keineswegs ad acta gelegt. "Wir müssen nur kleinere Brötchen backen", sagt er und meint damit, dass mit zwei WLAN-Routern u.
Projektleiter Stefan Engler (rechts) und Waldemar Ziesmann


selbstgebauten kleineren Antennen trotzdem WLAN (Wireless Local Area Network) für diejenigen Jugendlichen eingerichtet werden könnte, die sich dafür engagieren würden.
"Der Ansatzpunkt ist, die Motivation der sozial benachteiligten Jugendlichen für deren Weiterbildung zu nutzen", argumentiert Christian Engler. Dafür stellt er sich einen Lehrgang vor, der unter anderem auf dem Kursprogramm der Arbeitsgemeinschaft Medienkompetenz des regionalen Netzwerks Fulda für bildungsbenachteiligte Jugendliche basiert (siehe Kasten zum LOS-Projekt "EDV-Kurse für Mädchen") und durch Lerninhalte aus der Elektrotechnik ergänzt würde.
"Allerdings sollten dann auch ein paar Mädchen mitmachen." Bislang hat sich erst eines gefunden.
Was Jugendschutz und Haftungsrecht anbelangt, gebe es keine Schwierigkeiten, solange das Netzwerk nicht kommerziell sei.

Exkursion nach Berlin
Damit die Jugendlichen eine Vorstellung von der Funktionsweise eines lokalen Netzwerks und der damit verbundenen Arbeit bekommen, hatte der Jugendtreffmitarbeiter im Juni mit vier Jungen an einem Workshop in Berlin zu diesem Thema teilgenommen. "Das hat Spaß gemacht", berichtet Teilnehmer Waldemar Ziesmann.

Hurra, die selbst gelötete Antenne funktioniert!

Projektname: WLAN im Quartier: Bedarfs- und Umsetzungsanalyse

Träger: Christian Engler

Ziele: Feststellung, ob die Einrichtung von WLAN oder Freifunk im Quartier sinnvoll machbar ist;
evtl. Start eines Folgeprojektes mit dem Ziel, einen kostengünstigen Internetzugang für Interessierte zu scahffen und sozial benachteiligte Jugendliche zu qualifizieren


Fördersumme: 3000 Euro

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